In Gedenken

Am Freitagabend fand die Auftaktveranstaltung zum Gedenken an die Nazizeit und die Verfolgung der Juden „Hermann-Maas-Rede“ im Großen Rathaussaal der Stadt Heidelberg statt. Es ist schön zu sehen, dass so viele Mitbürgerinnen und Mitbürger den Weg zu dieser Gedenkveranstaltung gefunden haben, um an diese schreckliche Zeit zu erinnern. Hermann Maas war seit 1915 Pfarrer an der Heiliggeistkirche in Heidelberg, nachdem er zuvor Evangelische Theologie in Halle, Straßburg und Heidelberg studiert hatte. Sein Interesse galt schon in frühen Jahren der friedlichen Verständigung der Völker und Religionen, aber auch der politischen Arbeit, der er sich vor der Nazizeit widmete. Dieses Interesse sollte ihm während seiner späteren Hilfe gegenüber den Verfolgten zugutekommen, da er im Vorfeld und bei seiner Arbeit viele Kontakte, auch auf internationaler Ebene, knüpfen konnte. So trat er auch 1918 der Deutschen Demokratischen Partei bei (DDP) und war für diese zwei Legislaturperioden als Heidelberger Stadtrat tätig. Unter anderem leitete er hier in Heidelberg eine Hilfsstelle für die von den Nationalisten rassistisch Verfolgten. In den dreißiger Jahren engagierte er sich aktiv gegen den Rassismus und predigte dies auch, trotz Berufsverbots, so dass er selbst 1944 nach Frankreich zur Zwangsarbeit deportiert wurde. Doch bis dahin konnte er jahrelang vielen jüdischen Mitbürgerinnen und Mitbürgern zur Flucht verhelfen, sodass sie dem späteren Holocaust entkamen. Der Pfarrer Hermann Maas war auch der erste Deutsche nach dem Ende des Zweiten Weltkrieges, der vom Staat Israel eingeladen wurde. Dies zeigt die Bedeutung der Person Maas. 1967 wurde er mit seinem persönlichen Baum in der „Allee der Gerechten“ geehrt, ein Höhepunkt in seinem Leben. Die Israelin Irena Steinfeldt-Levy hielt eine bewegende Rede über diese Zeit und würdigte Herrn Maas als mutigen und inspirierenden Menschen, der aus seiner Liebe zu Israel nie ein Geheimnis machte. Sie selbst war von 1994-2018 in Yad Vashem tätig und konnte durch ihre Recherche zu der Rede noch eine persönliche Verbindung zu Herrn Maas herstellen. Ein enger Freund von Herrn Maas floh damals nach England und dieser war der Vetter ihrer Großmutter. Im Zuge der Recherche fand sie heraus, dass die Enkelin des Vetters in ihrer Nähe wohnt und nun so ein Kontakt hergestellt werden konnte. Selbst nach so vielen Jahrzehnten finden immer noch Familien zusammen, die in dieser schrecklichen Zeit getrennt und auseinandergerissen wurden. Es zeigt, dass diese Zeit niemals vergessen werden darf, die Möglichkeit einer Versöhnung besteht immer.

Ihr Stadtrat

Alfred Jakob

 

Gelesen 439 mal Letzte Änderung am 20.02.2019

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